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Teneriffa -
Pioniere Wolfgang Kiessling |
![]() Ein Teneriffa-Pionier und Unternehmer, der noch etwas unternimmt |
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Ein
Unternehmer,
der über wirklich
jede Blume, jeden
Baum auf den 135. 000 qm in seinem Loro
Parque und demnächst auf den
185.000 qm Siam Park selbst
entscheidet. Der auch bei der Konzeption
des Siam Parks im Süden keine Konzept-, Projekt- oder Themen-Ideen
teuer hat einkaufen müssen. Der viel lieber seinem eigenen
Universal-Talent vertraut, zum Vorausschauen in Zukunftsvisionen.
Offensichtlich schwimmen in seinem Kopf vier Killerwale bereits durch
die neue Orcas-Arena im Loro
Parque, stürzen im Siam-Park
an der Costa
Adeje bereits Besuchermassen im Kamikaze-Fall in ein Haufischbecken -
zwei ehrgeizige Großattraktionen für die nächsten
beiden Jahre, die er
soeben bei einer Gala im Hotel
Botanico erstmals publik gemacht hat.
Die "Methode Kiessling" Ein Kiessling kauft nicht Ideen, er hat sie selbst! Und er sieht schon, - wie ein begnadeter Maler vor dem ersten Pinselstrich das fertige Kunstwerk - was andere noch nicht sehen. Das ist der eine Teil der "Methode Kiessling". Ein anderer Teil der Erfolgs-Saga betrifft den rechnerisch vorauskalkulierenden Geschäftsmann, der jährlich zwar zweistellige Millionen-Gewinne macht. Der sie aber nicht "verfrühstückt", sondern sie in neue Highlights immer wieder re-investiert, dort, wo er sie verdient hat, und wo er noch größere erwirtschaften kann. Wenn 2006 im Insel-Süden, an der Costa Adeje, der Siam Park an den Start geht, wird der Loro Parque im Norden bereits mit der neuen Killerwahl-Attraktion einen neuen Besucher-Magneten haben. In Zukunft investiert hat Kiessling außerdem in die neue Spa und Wellness-Erlebniswelt Oriental Spa Garden, die sein Luxushotel "Botánico" in Puerto Cruz krönt. Nicht unter Artenschutz gestellt, ist diese Spezies an hochkarätigem Unternehmer-Urgestein in einem Deutschland, das Leistung unter Strafe stellt und Leistungs-Träger wie Straf-Täter verfolgt, regelrecht zum Abschuss freigegeben, und von nadelgestreiften Nieten und gepiercten Ohrringträgern ersetzt. Jene Dinosaurier aus dem Jurassik-Park des deutschen Wiederaufbaus, die aus den Trümmern des 2. Weltkriegs ein Wirtschaftswunderland gestampft haben, sie sind genau so ausgestorben und ausgerottet wie offensichtlich das Deutschland der Macher und der Alleskönner selbst. |
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| Im
Manager-Biotop von Teneriffa allerdings, das Leistung noch honoriert,
hier hat gerade mal eine gute Handvoll dieser Spezies überlebt.
Wolfgang Kiessling wird es, wie jedes Ettikett, das man ihm
überstülpen
will, abstreifen: Gleichwohl, er ist einer jener liebenswerten
Unternehmer-Aligatoren, die Deutschland abhanden gekommen sind. Dieses
Urgestein deutscher Selfmade-Manager-Kultur ist damit in seiner Gattung
zumindest ein ebenso seltenes Exemplar wie die von ihm mit
Öko-Kost
verwöhnten Exoten in seiner exklusivsten Papageiensammlung der
Welt. Zugleich ist er das, was er genau so ungern hört: ein Musterexemplar an Insel-Pionier, der in vorderster Front für die Artenvielfalt der Natur kämpft und am modernen und naturgerechten Teneriffa als "Florida Europas" mitbaut, ja nachahmenswert vorprägt. Als Pennäler stets eine Maus in der Tasche Kiessling, "geborener" Tierfreund, der Topmanager befreit sich vorzugsweise mit Lausbubengeschichten von jedem idealisierenden Verdacht: "Na gut, schon als kleiner Steppke hatte ich immer eine Maus oder Eidechse in der Hosentasche. "Damit die Weiber in der Schule was zu kreischen und wir Jungens etwas zu lachen hatten." Zwischen dem Weiberschreck von der letzten Bank und dem, der mit Tieren und Natur schon über 25 Millionen zahlende Besucher lockt, ist allerdings ein weiter Weg. |
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In Kanada als Barmixer
gejobbt Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann zieht es den geborenen Thüringer und Wahl-Kölner in den Sechzigern schnurstraks in die große weite Welt. Zunächst in die Neue Welt. In Kanada, was sonst, verkauft er Tiefkühlkost, jobbt als Barmixer und als Bergmann. Kreuz und quer wie auf einer Schnitzeljagd durch Amerikas rauhbeinigen Berufsalltag sammelt Jung-Kiessling das, was einen frischgebackenen Industrie-Kaufmann erst zum echten Geschäftsmann macht - praktische Lebenserfahrung. Auch die wichtige, "ohne Moos is nix los". Und wie man eine Negativ-Erfahrung in eine positive umdreht - aus einem Minus ein Plus macht. In Mexiko raubt ihm ein Dieb Reisegeld und sauer Hinzuverdientes - und zwingt ihn zurück zu den Eltern nach Köln. Eine kleine Charterfluggesellschaft in Frankfurt mit fünf vierstrahligen Boing 707 heuert ihn als Geschäftsführer an. "Die Firma karrt Timesharing- Interessenten aus Deutschland nach Teneriffa. Wer vertraglich "einsteigt", fliegt umsonst." Wieder eine Bauchlandung. "1971 werden Abschreibe-Chancen in Deutschland gesetzlich unterbunden, und es ist klar, in wenigen Monaten wird der ganze Apparat bei dem Kostenaufwand, aber alliertem 90-Flugstunden-Limit pro Monat an die Wand klatschen." Kiessling zieht den Schleudersitz und steigt gerade noch rechtzeitig vor dem Aufprall aus. |
| Probier'
es mit Papageien - die fressen nur Körner Der Vorkämpfer für vorbeugenden Artenschutz und der ewige Kuppler zwischen Mensch und Natur, treibt ihn tatsächlich kein missionarischer Drang? Wolfgang Kiessling "demontiert" sich gerne selbst vom Denkmal zu einem - fast - normalen Tierfreund, Umweltschützer und Schaffer mit 18 Stunden-Tag und 7-Tage-Woche. Die Loro-Parque-Idee stammt, angeblich jedenfalls, aus dem hohlen Bauch und ist keineswegs das Produkt tiefschürfender Ideenwettbewerbe oder Machbarkeitsstudien. "Mein Vater und ich, Ende der Sechziger machen wir uns einfach wieder auf die Socken, tigern nach Amerika, kucken uns in den USA alle nennenswerten Parks an und merken schnell, wie guten Betreibern die "Greenbacks" wie Honig aus den Ohren fliessen." Vater Kiessling rät dem Sohn nach der unverschuldeten Bruchlandung mit den Boing-707-Vögeln zu einem "Geschäftsmodell", das durch seine bodenhaftende Logik überzeugt - und das deshalb bei deutschen Großbanken nie eine Chance gehabt hätte: "Versuch es doch mal mit Papageien, Junge." Ermuntert der alte Herr den Junior. "Die werden 100 Jahre alt und fressen im Gegensatz zu Elefanten oder Giraffen nur eine Handvoll Körner am Tag." Nicht auszudenken, die Stadt Puerto de la Cruz hätte sich Anfang der Siebziger nicht verweigert und hätte Kiessling den Taoro Park als Operationsbasis seiner realen Naturschutz-Visionen verkauft. Statt dessen muss er in Punta Brava erst einmal kleine Brötchen backen. Kiessling erzählt freimütig von Pech, Pannen und Beinahe-Pleiten, von der Knochenarbeit beim Start, wie er von Haus zu Haus zieht, Türklinken putzt und die Pflanzen für seinen Loro-Parque ausnahmslos aus privaten Patios für 100 oder 200 Peseten das Stück zusammenschnorrt, und ihm trotzdem das Geld ausgeht. Oder wie tagelang kein einziger Besucher kommt und er sich am liebsten die Kugel geben würde. Kiessling erinnert sich an jedes Detail vor 30 Jahren, so tief prägt der Teneriffa-Start den Insel-Pionier. Null Besucher: Wie Sodom und Gomorra "Nach sechs Monaten Tag- und Nachtplackerei, Samstag und Sonntag, kam endlich der geplante Tag der Eröffnung. Der Park war aber noch gar nicht fertig. Wo jetzt der Drachenbaumhügel ist, gegenüber der Baby-Station, war noch alles brach. Und ich ohne Geld. Am 18.12. 1972, morgens um 10 Uhr, haben wir trotzdem aufgemacht. Mit viel Werbeaufwand. Von 10 Uhr bis 10:50 Uhr kommen 82 Leute rein. Damit ist für mich klar: Mein Park ist ein Erfolg! Ab 10 Uhr 50 regnet es den ganzen Eröffnungstag. Kein einziger Besucher mehr. Es regnet den ganzen 19. Dezember. Null Besucher. Es regnet den ganzen 20. Dezember. Nochmals Null Besucher. Die Pflanzen, mühevoll gesetzt, fliessen uns über die Gehwege entgegen. Es war Sodom und Gomorra. Ich war soweit, mir das Leben zu nehmen, um ganz ehrlich zu sein. Ich wusste keinen Ausweg mehr. Das ganze Geld verplempert, das Geld meines Vaters, und meines Freundes. Ich stehe ganz beschissen da. 21. Dezember endlich: 150 Besucher. 500, hatte ich ausgerechnet, brauche ich, um meinen Break-Even-Point zu schaffen. Und da bin ich eben auf die Straße gegangen und habe verkauft. Versucht, zu verkaufen. Wo ich auch hinkomme, sagte jeder, ja denkste denn im Ernst, dass das mit den Vögeln was ist. Keiner will einen Ausflug zu mir machen", erinnert sich Wolfgang Kiessling, und wischt sich den Schweiß von der Stirn. |
| Immer mit einem Fuß
im
Bankrott "Einen Tour-Operator, den Stefan von TOUROPA Austria, den habe ich als ersten rumgekriegt, mit 25 Leuten am nächsten Tag mal reinzuschauen. Ich habe mich aber wochenlang von Agentur zu Agentur gewurschtelt, bis ein Dutzend Autobusse kommen. Nachdem die ersten Besucher von der Papageien-Schau, der einzigen in Europa, schwärmen, und die Mund-zu-Mund-Propaganda einsetzt, erst dann gehts bergauf." Wolfgang Kiessling kann nur zu einem Anlass so etwas wie missionarischen Eifer nicht unterdrücken: Wenn er Folge-Generationen ermunternd einschärft, wie sein Erfolg nur das Ergebnis von harter Knochenarbeit, eisernem Durchhaltewillen und viel Glück war. 10 Jahre lang, resümmiert er, stehen wir eigentlich immer mit einem Fuß im Bankrott. 1976: Mehr Autobusse als Stühle Immerhin, 1982, zehn Jahre nach dem niederschmetternden Start, werden die ersten schwarzen Zahlen geschrieben. "Erst nach Jahren kommen die Großen der Reisebranche. Damit stehen urplötzlich mehr Autobusse vor der Tür, als wir Stühle oder Wege im Park haben. Wir wissen 1976 bis 1980 gar nicht mehr, wohin mit den vielen Leuten." Zwischenzeitlich wollen nicht Geldnöte dem Loro Parque an den Kragen. Die Stadt Puerto de la Cruz plant eine Verbindungsstraße nach Punta Brava - mitten durch den Loro Parque. Enteignung und das vorzeitige Ende drohen. Kiessling, der Insel-Pionier, greift schon damals mit Erfolg zu einem Trick, den viele Grundstückbesitzer auf Teneriffa in Zerteilungs- ängsten vor Straßen oder Autobahnen bis heute noch nicht verinnerlicht haben. Er mobilisiert mithilfe von Cesar Manrique die Zeitungen und damit die erste (private) Umweltbewegung Teneriffas, und schon ist der Loro Parque vor Zerstückelung gerettet. |
![]() Kiessling präsentiert im Hotel Botanico erstmals der Insel-Prominenz seine sensationellen Attraktionen für 2005/2006 |
| Mit
geliehenem Geld zum Millionär Was sagt Kiessling zu Neidern, die behaupten, sein Loro Parque sei mit Schwarzgeld gestartet worden? Bereitwillig lässt er sich in die Karten blicken: "Für den Aufbau des Unternehmens habe ich 2. 250.000 Mark gehabt. Das waren als Vorschuss auf das Erbe meines Vaters eine Mio Mark. Eine Million Mark hat mir Konsul Schröder, ein guter Freund, geliehen, 250.000 Mark hatte ich selber. Das war unser Startkapital. Das Anfangsgrundstück, die ersten 13.639 qm, musste ich abfinden mit 650.000 Mark, und eine Lebensrente von anfangs 15.000 Mark, gegen Ende 16.500 Mark an den Besitzer zahlen. Dieser Besitzer stirbt nach elfeinhalb Jahren und damit geht das Gelände endgültig in meinen Besitz über. Die Basis für unsere Weiterentwicklung ist geschaffen." Kiessling fordert nicht nur Offenheit und Ehrlichkeit als Primär-Tugenden von anderen. Der 65 jährige, auch noch in vielen Ehrenämtern engagiert, wie z.B. als Königlich-Thailändischer Generalkonsul für die kanarischen Inseln - Ruhestand und völlige Stabübergabe an Sohn Christoph bereitet er vor. Was ihn nicht daran hindert, einem Sprichwort zu neuer Beweiskraft zu verhelfen: Je oller, umso toller. Arena für vier Killerwale und Kamikaze-Sturz ins Haifisch-Becken Der Siam Park werde alles andere als der siamesische Zwilling des Loro Parque. Das sagt er nicht nur so, weil zwei mal eine Million Besucher pro Jahr ein tolles Geschäft wären. Selbst für seine Begriffe. Der erste im Norden ein exklusiver Tierpark, der zweite im Süden ein erregender Abenteuerspielplatz für Menschen? Kiessling ist einverstanden. Probleme hat er beim Siam Park mit etwas anderem. Der Ideen-Fuchs zerbeisst sich fast die Zunge. So unwiderstehlich juckt ihn der Reiz, seine Vorfreude mit anderen zu teilen, und preiszugeben, welch gruselig-schönen Adrenalinstösse er für Besucher in Arbeit hat. Wenn sie z.B. auf einer Achterbahn durch den Wasserdschungel, in tiefe Höhlen oder auf einem Wasserfall in eine Bucht mit Haifischen stürzen. Kürzlich, als er IBEROJET bei einer Gala im Hotel Botanico den Gorilla-Preis des Loroparque überreicht, kann er sich mit Einzelheiten gerade noch beherrschen. Zum ersten Mal spricht der Chef öffentlich über seine zwei Expansionen und Sensationen in den nächsten zwei Jahren - eine völlig neue Orcas-Arena für vier Killerwale, und die Attraktionen im Siam-Park an der Costa Adeje ab 2006, "die gewaltigste Welle der Welt inklusive". Doch dann gewinnt der nüchtern kalkulierende Pragmatiker den Zweikampf mit dem ideensprühenden Genie. Kiessling unterdrückt seine Begeisterung. Und vermeidet die Gefahr, daß demnächst ganze Besuchermassen verrückt nach diesen Dschungel-Abenteuern ihm womöglich schon die Baustelle einrennen. Immerhin ist er Geschäftsmann, und nicht Paradiesvogel, im Hauptberuf. © Red. Teneriffa & Co. |
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